Labor oder Natur? Einen Stein ohne Geräte prüfen

Sie haben einen roten Stein in der Hand und wissen nicht, was er ist. Keine Lupe, keine Waage, kein Filter – nur Tageslicht, ein Blatt Papier und zehn Minuten.

Erstaunlich weit kommt man damit. Nicht bis zur Gewissheit, aber bis zu einer sehr guten Vermutung – und vor allem bis zu der Frage, ob sich ein Test mit Gerät überhaupt lohnt.

Schritt 1: Wie kam der Stein zu Ihnen?

Der aussagekräftigste „Test“ ist kein Test. Ein makelloser, kräftig roter Stein von acht Millimetern, der zehn Euro gekostet hat, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Laborkorund – nicht weil das verdächtig wäre, sondern weil ein Naturrubin dieser Beschreibung das Tausendfache kosten würde.

Die Preisgrößenordnungen stehen in Was derselbe Stein aus der Erde kostet. Wenn Preis und Beschreibung nicht zusammenpassen, sagt das mehr als jede Sichtprüfung.

Schritt 2: Ist es überhaupt Korund?

Bevor die Frage Labor oder Natur überhaupt sinnvoll ist, muss geklärt sein, ob der Stein Korund ist – und nicht Glas, Granat oder Zirkonia. Zwei Hinweise ohne Gerät:

  • Gewicht in der Hand. Korund (Dichte 4,00) fühlt sich deutlich schwerer an als Glas (rund 2,5) und spürbar leichter als Zirkonia (5,70). Bei einem großen Stein merkt man das; bei 3 mm nicht.
  • Kanten und Bläschen. Glas hat oft leicht gerundete Facettenkanten und im Inneren gelegentlich runde Bläschen. Korund hat scharfe Kanten. Das sieht man mit bloßem Auge nur bei größeren Steinen – aber wenn man es sieht, ist es eindeutig.

Wer es genau wissen will, braucht eine Feinwaage: Die Dichte verrät den Stein. Die weiteren roten Kandidaten stehen in Roter Stein, aber welcher?

Schritt 3: Der Blick gegen die Sonne

Halten Sie den Stein ins direkte Sonnenlicht und schauen Sie ihn an, nicht hindurch.

Ein Rubin – egal ob Labor oder Natur – glüht. Das Chrom im Kristallgitter fluoresziert im Sonnenlicht und legt ein inneres Leuchten über die Farbe. Granat tut das nicht, Glas tut das nicht, roter Zirkonia kaum.

Und hier wird es interessant: Labor-Rubine glühen im Schnitt stärker. Natürlichem Rubin ist fast immer Eisen beigemischt, das die Fluoreszenz dämpft; Laborkorund ist chemisch sauber. Ein auffällig stark glühender Rubin spricht also fürs Labor. Ausführlich in Warum ein Labor-Rubin im Sonnenlicht glüht.

Schritt 4: Wonach Sie nicht suchen sollten

Der intuitive Reflex ist, nach Fehlern zu suchen – und das führt in die Irre. Bei Laborkorund gilt das Gegenteil:

Makellosigkeit ist der Hinweis, nicht die Einschlüsse. Naturkorund in bezahlbarer Qualität hat fast immer sichtbare Einschlüsse. Ein großer Stein, in dem mit bloßem Auge nichts zu sehen ist, ist eher Labor als Natur.

Das ist der Kern von Der einzige Makel eines Labor-Rubins – und der Grund, warum „lupenrein“ in einem günstigen Angebot keine Auszeichnung ist, sondern eine Herkunftsangabe.

Schritt 5: Der Farbeindruck

Weich, aber nützlich, wenn man mehrere Steine vergleichen kann:

  • Sehr gleichmäßige Farbe über den ganzen Stein spricht fürs Labor. Naturkorund zeigt oft Farbzonen – Streifen oder Flecken unterschiedlicher Sättigung.
  • Ein und dieselbe Farbe bei mehreren Steinen ist praktisch ein Beweis. Zwanzig gleiche Steine gibt es in der Natur nicht, siehe Zwanzig gleiche Steine.

Wo die gerätelose Prüfung endet

Ehrlich gesagt: ziemlich bald. Was Sie ohne Gerät nicht können:

  • gekrümmte Wachstumslinien sehen, das eigentliche Beweismerkmal des Flammenschmelzes – das braucht eine Lupe und Geduld: Gekrümmte Wachstumslinien;
  • blaue Steine beurteilen – dafür ist der Rotfilter da: Der Chelsea-Filter;
  • Flux- oder hydrothermal gezüchtete Steine erkennen – die kommen Naturstein so nahe, dass dafür ein Labor nötig ist.

Der Entscheidungsbaum in einem Satz

Passt der Preis nicht zur Beschreibung, ist die Sache meist schon klar. Glüht der Stein in der Sonne, ist es Rubin. Ist er dabei makellos und gleichmäßig gefärbt, ist es höchstwahrscheinlich Laborrubin. Alles Weitere braucht eine Lupe – und die kostet weniger als die meisten Steine, um die es geht.

Weiterlesen: Günstige Labor-Rubine, die nicht billig aussehen nennt die Kaufkriterien, und Zehn Mythen über Laborsteine räumt mit den falschen Erkennungsregeln auf.

Der nächste Schritt, sobald ein Dichroskop zur Hand ist: Pleochroismus: zwei Farben aus zwei Richtungen.

Und welche populären Haustests dabei nichts beitragen: Ritzen, Anhauchen, Wasserglas.

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