Zehn Mythen über Laborsteine, nachgeprüft
Über Laborsteine kursieren erstaunlich hartnäckige Behauptungen – in Foren, in Verkäuferbeschreibungen, gelegentlich auch am Ladentisch. Manche stammen aus einer Zeit, in der sie stimmten. Andere haben nie gestimmt.
Zehn davon, jeweils mit dem, was tatsächlich gilt.
1. „Das ist doch nur Glas.“
Falsch. Glas ist amorph, hat Mohs 5 bis 6 und eine völlig andere Lichtbrechung. Ein Labor-Rubin ist kristalliner Korund: dieselbe Chemie, dieselbe Struktur, dieselbe Härte 9 wie ein Naturrubin. Der Unterschied zwischen den beiden ist eine Frage der Entstehung, nicht des Materials.
Wie man Glas erkennt, steht in Roter Stein, aber welcher?
2. „Laborsteine verblassen mit der Zeit.“
Falsch. Die Farbe von Laborkorund kommt von Fremdionen im Kristallgitter – Chrom beim Rubin, Eisen und Titan beim blauen Saphir. Diese Ionen sitzen dort so stabil wie in einem natürlichen Stein. Was tatsächlich verblassen kann, sind bestrahlte oder oberflächenbehandelte Steine, und das ist ein Naturstein-Thema.
3. „Sie zerkratzen leichter.“
Falsch. Mohs 9 in beiden Fällen. Die alltagsrelevante Größe ist Quarzstaub mit Härte 7 – der Grund, warum weichere Steine mit den Jahren matt werden. An Korund kommt er nicht heran, egal woher der Korund stammt.
4. „Ein Fachmann sieht das sofort.“
Halb richtig. Ein Gemmologe mit Lupe sieht es meistens – an gekrümmten Wachstumslinien, an Gasbläschen, oder daran, dass Einschlüsse ganz fehlen. Ohne Lupe, am Finger, im Alltagslicht: nein. Und genau das ist der Punkt, um den es beim Tragen geht.
Die Merkmale im Detail: Gekrümmte Wachstumslinien.
5. „Laborsteine sind alle gleich teuer, also alle gleich.“
Falsch. Zwischen Flammenschmelz und Flux liegt der Faktor hundert. Ein Verneuil-Rubin kostet wenige Euro; Markenmaterial aus Flux-Zucht liegt bei rund 400 Euro je Karat. Wer „lab created“ liest, weiß noch nicht, was er kauft – siehe der ehrliche Kaufratgeber.
6. „Ein makelloser Stein muss echt sein.“
Genau umgekehrt. Makellosigkeit ist bei bezahlbarem Naturkorund die Ausnahme und bei Flammenschmelz die Regel. Ein lupenreiner Zehn-Millimeter-Rubin für zwanzig Euro ist kein Wunder, sondern ein Hinweis – Der einzige Makel eines Labor-Rubins.
7. „Man darf sie nicht als Rubin bezeichnen.“
Fast richtig, aber präziser: Man darf sie nicht ohne Zusatz so bezeichnen. Gemmologisch ist ein synthetischer Rubin ein Rubin; im Handel muss aber ein klarstellendes Wort dabeistehen – „synthetisch“, „im Labor gezüchtet“. Das gilt auch privat beim Weiterverkauf: Verschenken und verkaufen.
8. „Sie halten Hitze nicht aus.“
Weitgehend falsch, mit einer Einschränkung. Korund selbst ist extrem hitzebeständig. Flammenschmelz-Material trägt allerdings innere Spannungen aus dem schnellen Erstarren, und schroffe Temperaturwechsel – Löten dicht am Stein, dann Abschrecken – können es sprengen. Die Regel lautet: ausfassen oder langsam abkühlen, siehe Labor-Korund und Hitze.
9. „Sie haben keinen Wert.“
Richtig, wenn „Wert“ Wiederverkauf heißt. Ein Laborstein lässt sich nicht gewinnbringend weiterverkaufen, weil jederzeit ein neuer herstellbar ist. Nur ist das für fast jeden Schmuckkauf irrelevant: Auch die meisten Naturstein-Ringe bringen beim Wiederverkauf einen Bruchteil des Kaufpreises. Wer anlegt, kauft keinen Schmuck.
10. „Laborsteine sind automatisch die ethische Wahl.“
Zu einfach. Es entfällt die Bergbaukette – das ist real. Aber ein Verneuil-Ofen läuft mit Strom, meist in China, und die Lieferkette der Fassung ist damit nicht besser geworden. „Kein Bergbau“ ist ein sauberer Satz; „ohne Fußabdruck“ wäre Werbung. Ausführlich in Der Stein, den niemand geschürft hat.
Was übrig bleibt
Von zehn Behauptungen halten zwei stand – und beide betreffen nicht den Stein, sondern den Markt: kein Wiederverkaufswert, und die Ethikfrage ist komplizierter als der Werbespruch.
Alle acht Einwände gegen das Material sind falsch. Es ist derselbe Korund, in derselben Härte, mit derselben Farbe und derselben Beständigkeit – nur eben aus einer Anlage statt aus einem Berg, und zu einem Prozent des Preises.
Weiterlesen: Was derselbe Stein aus der Erde kostet stellt die Zahlen nebeneinander.
Dieselbe Prüfung für die verbreiteten Testmethoden: Ritzen, Anhauchen, Wasserglas.
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