Posts

Posts mit dem Label "Bestimmung" werden angezeigt.

Zirkon ist nicht Zirkonia: zwei Steine, ein Wortstamm

Bild
Zwei Buchstaben Unterschied, und dahinter zwei völlig verschiedene Steine. Zirkon ist ein natürliches Mineral, das seit Jahrtausenden aus der Erde kommt. Zirkonia ist ein Laborprodukt aus den 1970er Jahren. Sie teilen ein chemisches Element und sonst fast nichts. Die Verwechslung ist bequem für Verkäufer und teuer für Käufer – in beide Richtungen. Wer „Zirkon“ liest und Zirkonia bekommt, zahlt zu viel. Wer „Zirkonia“ liest und Zirkon übersieht, verpasst einen der optisch interessantesten Steine überhaupt. Was die beiden wirklich sind Zirkon ist Zirkoniumsilikat, ZrSiO 4 . Ein Mineral, tetragonal kristallisierend, doppelbrechend. Die ältesten datierten Kristalle der Erde sind Zirkone – sie sind rund 4,4 Milliarden Jahre alt. Zirkonia , vollständig kubisches Zirkoniumdioxid, ist ZrO 2 . Kein Silikat, kein Mineral, kubisch und damit einfachbrechend. Es entsteht im Schmelzofen und braucht einen Stabilisator – meist Yttrium- oder Calciumoxid –, damit die kubische Form bei Zim...

Kyanit: der Stein mit zwei Härten in einem Kristall

Bild
Nehmen Sie einen Kyanit und ziehen Sie eine Stahlnadel der Länge nach über die Kristallfläche: Es entsteht ein Kratzer. Drehen Sie denselben Stein um 90 Grad und wiederholen Sie es quer: nichts. Gleicher Stein, gleiche Nadel, zwei Ergebnisse. Das ist kein Messfehler, das ist das Mineral. Kyanit ist der einzige Schmuckstein, bei dem die Frage „Wie hart ist er?“ keine einzelne Zahl als Antwort hat. Und weil er in einem Blau vorkommt, das guten Saphiren erstaunlich nahe kommt, taucht er regelmäßig in Angeboten auf, in denen er nichts zu suchen hat. Der zweite Name sagt es schon Das Mineral heißt auch Disthen . Das kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „zwei Stärken“ – genau die Eigenschaft, die den Stein ausmacht. Wer den alten Namen kennt, hat das Wichtigste schon verstanden. Entlang der langen Kristallachse liegt die Härte bei etwa 4 bis 4,5 . Quer dazu steigt sie auf rund 6 bis 7 . Die Angaben schwanken je nach Quelle um einen halben Punkt; unbestritten ist der ...

Rubellit oder Rubin? Wenn das Dichroskop nicht reicht

Bild
Beim Spinell und beim Granat entscheidet das Dichroskop: Zeigt der Stein zwei Farben, ist es keiner von beiden. Beim Rubellit funktioniert dieser Test nicht . Er zeigt zwei Farben – und zwar deutlicher als mancher Rubin. Rubellit ist die rote bis pinke Varietät des Turmalins, genauer: des Elbaits. Der Name kommt vom lateinischen rubellus , rötlich. Er ist der einzige der klassischen Rubin-Verwechslungen, bei dem der sonst zuverlässigste Test ins Leere läuft – und dafür zwei andere umso klarer ausfallen. Warum der Zwei-Farben-Test hier versagt Turmalin kristallisiert trigonal, genau wie Korund. Damit hat er eine ausgezeichnete Achse, und damit hat er Pleochroismus – bei Rubellit stark ausgeprägt, meist als deutlicher Wechsel zwischen einem helleren und einem dunkleren Rosarot. Beide Steine zeigen also zwei Farbtöne. Der Test, der Spinell und Granat in Sekunden erledigt, sagt hier nur: „kein Spinell, kein Granat, kein Glas“. Das ist immer noch nützlich, aber es ist keine Antwort....

Granat oder Rubin? Wo die Dichte als Test versagt

Bild
Ein Pyrop-Granat aus Arizona kann bis zu acht Prozent Chromoxid enthalten. Der röteste Rubin kommt auf drei. Trotzdem glüht der Granat unter der UV-Lampe nicht – und der Rubin schon. Das ist kein Widerspruch, sondern der Schlüssel zu diesem Stein. Granat ist der häufigste rote Stein, der für Rubin gehalten wird – häufiger als Spinell, häufiger als Glas. Und er ist der einzige davon, bei dem der Test, der sonst immer funktioniert, versagen kann. Die Namen, die das Problem gemacht haben „Cape Ruby“, „Arizona Ruby“, „Rocky Mountain Ruby“, „Böhmischer Rubin“: Das sind keine Rubine. Das ist in allen vier Fällen Pyrop, ein Granat, benannt nach seinem Fundort und einem Mineral, mit dem er chemisch nichts zu tun hat. Die Namen stammen aus dem 19. Jahrhundert, als böhmische Granate in ganz Europa Mode waren und südafrikanische Funde den Markt vergrößerten. Sie sind heute im Handel nicht mehr zulässig – GIA, ICA und AGTA verlangen die Nennung der tatsächlichen Mineralart, und die am...

Roter Stein, aber welcher? Rubin, Granat, Spinell, Glas

Bild
Ein roter Stein liegt vor Ihnen, und im Angebot stand „Rubin“. Es kann aber genauso gut Granat sein, Spinell, Turmalin, Zirkonia oder schlicht Glas. Alle sechs sehen sich im Fassungsformat verblüffend ähnlich – und unterscheiden sich im Wert um den Faktor tausend. Die gute Nachricht: Sie brauchen kein Labor. Zwei einfache Prüfungen, zusammen für rund 20 bis 50 Euro, trennen die wichtigsten Kandidaten zuverlässig voneinander. Der Entscheidungsbaum Roten Stein bestimmen: zwei Tests Entscheidungsbaum. Erster Test mit dem Dichroskop: zeigt der Stein zwei Farbtöne, ist er doppelbrechend und damit Rubin oder Turmalin. Zeigt er nur einen, folgt der zweite Test mit UV-Licht: leuchtet er rot, ist es Spinell, bleibt er dunkel, ist es Granat, Zirkonia oder Glas. Roter Stein, Herkunft unklar Zwei Tests, zusammen rund 20–50 Euro Test 1 – Dichroskop Zeigt der Stein zwei Farbtöne? JA ...