Blauer Stein, aber welcher? Saphir, Topas, Spinell, Glas
Ein blauer Stein liegt vor Ihnen, und im Angebot stand nur „blauer Edelstein“. Sechs Kandidaten kommen ernsthaft in Frage – und mit drei Prüfungen, die alle ohne Labor auskommen, lässt sich das Feld auf einen oder zwei eingrenzen.
Die Kandidaten
| Stein | Mohs | Dichte | Zwei Farben? |
|---|---|---|---|
| Saphir (Korund) | 9 | 4,00 | ja, deutlich |
| Blautopas | 8 | 3,53–3,56 | schwach |
| Spinell | 8 | 3,58–3,61 | nein |
| Tansanit | 6–7 | 3,35 | ja, drei Farben |
| Zirkonia (CZ) | 8–8,5 | 5,70 | nein |
| Glas | 5–6 | rund 2,5 | nein |
Prüfung 1: Wiegen
Die Dichte trennt das Feld sofort in drei Gruppen, und dafür brauchen Sie nur eine Feinwaage und ein Glas Wasser:
- Um 5,7 – Zirkonia. Kein anderer Kandidat kommt in die Nähe.
- Um 4,0 – Saphir.
- 3,3 bis 3,6 – Topas, Spinell oder Tansanit; hier muss weiter geprüft werden.
- Um 2,5 – Glas.
Wie die Messung praktisch geht, steht in Die Dichte verrät den Stein.
Prüfung 2: Zwei Farben aus zwei Richtungen
Der aussagekräftigste Test überhaupt, und er kostet fast nichts. Korund ist dichroitisch: Er zeigt aus verschiedenen Blickrichtungen zwei verschiedene Farbtöne – beim blauen Saphir ein violettstichiges und ein grünstichiges Blau.
Spinell, Zirkonia und Glas zeigen das nie. Sie sind optisch isotrop, es gibt bei ihnen keine ausgezeichnete Richtung. Wer also zwei Farben sieht, kann diese drei streichen – ohne weiteren Test.
Tansanit macht es umgekehrt spektakulär: Er zeigt drei Farben, typischerweise Blau, Violett und ein rötliches Braun. Wenn ein Stein aus drei Richtungen drei deutlich verschiedene Farben zeigt, ist er kein Saphir.
Ausführlich, samt Anleitung: Roter Stein, aber welcher? beschreibt dasselbe Verfahren für die rote Seite.
Prüfung 3: Der Rotfilter
Ein Chelsea-Filter kostet wenige Euro und beantwortet eine sehr spezifische Frage: Ob das Blau von Kobalt kommt. Kobaltgefärbtes Glas und kobaltgefärbter synthetischer Spinell leuchten darin auffällig rot; blauer Saphir bleibt stumpf.
Das ist der klassische Test gegen die häufigste Blau-Fälschung überhaupt – Der Chelsea-Filter.
Was die Prüfungen nicht können
Keiner dieser Tests unterscheidet Labor-Saphir von Natursaphir. Beide sind Korund, beide wiegen 4,00, beide sind dichroitisch, beide bleiben im Rotfilter stumpf. Die Tests trennen Korund von den anderen Mineralen – und das ist meistens genau die Frage, die man wirklich hat.
Für Labor gegen Natur braucht es andere Merkmale, vor allem gekrümmte Wachstumslinien unter der Lupe: Gekrümmte Wachstumslinien. Und wie weit man ganz ohne Gerät kommt, steht in Labor oder Natur? Einen Stein ohne Geräte prüfen.
Die schnelle Entscheidungshilfe
- Kratzt er Glas mühelos und fühlt sich schwer an? Saphir oder Zirkonia.
- Zeigt er zwei Farben? Dann Saphir, Topas oder Tansanit – nicht Zirkonia, Spinell oder Glas.
- Leuchtet er im Rotfilter rot? Kobaltglas oder synthetischer Spinell.
- Sehr weich, mit runden Bläschen innen? Glas.
In der Praxis reichen Punkt 1 und 2 fast immer. Ein schwerer, harter, dichroitischer blauer Stein ist Saphir – ob aus dem Berg oder dem Ofen, sagt Ihnen erst die Lupe.
Weiterlesen: Labor-Saphir oder Blautopas? vergleicht die beiden häufigsten Kandidaten im Detail, und Labor-Saphir: Welche Farben wirklich überzeugen geht die Farbpalette des Korunds durch.
Und für Grün, wo die Kandidatenliste am längsten ist: Grüner Stein, aber welcher?.
Der Kandidat mit drei Farben, ausführlich: Tansanit oder Saphir?.
Der blaue Kandidat, der in dieser Liste noch fehlt – und der einzige mit zwei Härten: Kyanit: der Stein mit zwei Härten in einem Kristall.
Der blaue Stein, der seine Farbe fast immer einer Erhitzung verdankt: Zirkon ist nicht Zirkonia.
Warum ausgerechnet dieser Stein am Werktisch der heikelste ist: Farbloser Topas: Härte 8 und trotzdem zerbrechlich.
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