Tansanit oder Saphir? Der blaue Stein mit drei Farben
Tansanit sieht auf dem Foto aus wie ein besonders schöner Saphir und kostet oft weniger. Beim Tragen zeigt sich, warum: Es sind zwei sehr verschiedene Steine, und der Unterschied liegt nicht in der Farbe, sondern in der Belastbarkeit.
Was Tansanit ist
Ein Handelsname, kein Mineralname. Dahinter steckt eine blau-violette Varietät des Minerals Zoisit, gefärbt durch Vanadium. Der Name stammt von Tiffany & Co., und er hat einen konkreten Grund: Die einzige wirtschaftlich bedeutende Lagerstätte der Welt liegt in den Merelani-Hügeln im Norden Tansanias.
Das ist der interessanteste Punkt an diesem Stein – ein einziges Vorkommen auf der Erde. Bei Saphir ist es das genaue Gegenteil: Korund findet sich auf mehreren Kontinenten, und im Labor lässt er sich beliebig herstellen.
Die Tabelle
| Saphir (Korund) | Tansanit (Zoisit) | |
|---|---|---|
| Härte (Mohs) | 9 | 6–7 |
| Dichte | 4,00 | rund 3,35 |
| Farben aus verschiedenen Richtungen | zwei | drei – Blau, Violett, Rötlichbraun |
| Behandlung | häufig erhitzt | praktisch immer erhitzt |
| Vorkommen | weltweit, dazu Labor | ein Fundgebiet |
Der Test: drei Farben statt zwei
Tansanit ist trichroitisch – er zeigt aus drei Richtungen drei verschiedene Farben: ein Blau, ein Violett und ein rötliches Braun. Das ist ungewöhnlich stark ausgeprägt und bei einem größeren Stein mit bloßem Auge zu sehen.
Saphir kann das nicht. Korund hat nur eine ausgezeichnete Achse und damit höchstens zwei Farben. Wer drei deutlich verschiedene Farben findet, hat keinen Saphir vor sich.
Wie man richtig hinschaut: Pleochroismus: zwei Farben aus zwei Richtungen. Die übrigen blauen Kandidaten stehen in Blauer Stein, aber welcher?
Fast jeder Tansanit war einmal braun
Frisch aus dem Boden ist Tansanit meist bräunlich-violett. Das berühmte Blau-Violett entsteht durch Erhitzen, das die braunen und gelblichen Anteile austreibt.
Praktisch heißt das: Bei einem blauen bis violetten Tansanit ist Hitzebehandlung der Normalfall und sollte vorausgesetzt werden. Sie ist stabil und unproblematisch – nur eben kein Argument für „unbehandelt“. Die Systematik der Behandlungen: Erhitzt, diffundiert, glasgefüllt.
Der eigentliche Unterschied: was er aushält
Mohs 6 bis 7 klingt nach wenig weniger als 9, ist aber ein grundsätzlicher Unterschied: Quarzstaub hat Härte 7 – und Quarz ist der Hauptbestandteil von Hausstaub. Ein Tansanit wird im Alltag also von etwas angegriffen, das überall ist. Ein Saphir nicht.
Dazu kommt eine ausgeprägte Spaltbarkeit: Tansanit verträgt Stoß und Druck schlecht. Fachleute raten deshalb einhellig von Tansanit in einem täglich getragenen Ring ab – und empfehlen ihn für Anhänger und Ohrringe, wo er nirgends anstößt.
Dasselbe Argument, das auch gegen Topas im Ring spricht: Labor-Saphir oder Blautopas?
Wann welcher
- Ring, Armband, Alltag: Saphir. Die Härtefrage ist hier nicht theoretisch.
- Anhänger oder Ohrringe, und Sie wollen den violetten Ton: Tansanit. Diesen Farbraum – Blau mit deutlichem Violettstich – erreicht Korund nicht so gut.
- Sie brauchen mehrere zusammenpassende Steine: Labor-Saphir. Tansanit kommt aus einer einzigen Lagerstätte, und zwei gleiche zu finden ist Suchen statt Bestellen – Zwanzig gleiche Steine.
- Sie fassen selbst und üben noch: Laborkorund. Ein Fehlversuch kostet vier Euro statt eines Tansanits.
Kurzfassung
Drei Farben statt zwei, 3,35 statt 4,00, Mohs 6–7 statt 9. Der Test ist einfach, aber die praktische Konsequenz ist wichtiger als die Bestimmung: Tansanit gehört nicht an eine Hand.
Weiterlesen: Labor-Saphir: Welche Farben wirklich überzeugen zeigt, wie weit der Korund in Richtung Violett kommt.
Noch ein blauer Stein mit drei Farben und einem irreführenden Namen: Iolith, der „Wassersaphir“.
Noch ein blauer Stein, dessen Farbe allein nichts entscheidet: Kyanit: der Stein mit zwei Härten.
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