Rund, Oval, Kissen, Baguette: Welche Schliffform was verzeiht

Bei natürlichen Steinen entscheidet der Rohstein über die Form: Der Schleifer wählt den Schliff, der am meisten Gewicht rettet. Bei Laborkorund fällt dieser Zwang weg – das Material kostet fast nichts und wächst als gleichmäßiger Zylinder.

Deshalb bekommen Sie jede Form zum praktisch gleichen Preis. Und deshalb ist die Formwahl bei Laborsteinen zum ersten Mal eine reine Geschmacks- und Haltbarkeitsfrage.

Die Formen und was sie können

Die Teile eines facettierten Steins Links der Stein von der Seite im Schnitt: oben die flache Tafel, darunter die schräge Krone, in der Mitte die schmale Rundiste als breiteste Stelle, darunter der spitz zulaufende Pavillon und ganz unten die Kalette. Rechts die Ansicht von oben mit der achteckigen Tafel in der Mitte und den umlaufenden Kronfacetten. Die Rundiste ist in beiden Ansichten hervorgehoben, weil sie die dünnste und empfindlichste Stelle des Steins ist. Von der Seite Von oben Tafel Krone fängt das Licht ein Rundiste die dünnste Stelle Pavillon spiegelt es zurück Kalette Höhe Tafel Rundiste = der Umfang, den Sie messen Alles, was auf dieser Seite über Ausbrüche steht, betrifft die gelbe Linie: die Rundiste.
Die Teile eines facettierten Steins. Alles, was hier über Ausbrüche steht, betrifft die Rundiste – die gelbe Linie.
Form Stärke Schwachstelle
Rund (Brillant) das meiste Funkeln; Fassungen gibt es in jeder Größe wirkt bei gleichem Gewicht am kleinsten
Oval größte Wirkung pro Karat, streckt den Finger, keine Ecken die beiden Enden sind dünn; möglicher Bowtie (siehe unten)
Kissen (Cushion) zeigt Farbe besonders satt, weiche Kontur oft tief geschliffen; sitzt hoch in der Fassung
Princess (quadratisch) modern, wirkt groß, viel Brillanz die vier Ecken – die dünnste Stelle jedes Steins überhaupt
Treppenschliff (Emerald) ruhig, elegant, zeigt die reine Farbe statt Gefunkel zeigt auch jeden Einschluss – und jede Makellosigkeit
Tropfen (Pear) gute Wirkung pro Karat, schön am Anhänger die Spitze; braucht zwingend eine Krappe darauf
Navette (Marquise) wirkt am größten pro Karat zwei Spitzen; die empfindlichste gängige Form
Baguette als Beistein neben einem Hauptstein unschlagbar allein zu ruhig; lange Kanten stößt man leicht an
Cabochon flach, robust, klebbar; einzige Form für Sternsteine kein Funkeln – wirkt nur über Farbe und Glanz

Der Bowtie: der Fehler, den man kennen muss

Bei länglichen Brillantformen – Oval, Tropfen, Navette – kann quer über die Mitte ein dunkler Bereich in Form einer Fliege stehen. Dieser Bowtie entsteht, wenn die Facetten des Unterteils das Licht nicht zurückwerfen, sondern durchfallen lassen. Er ist kein Schaden, sondern eine Schliff-Eigenschaft – und bei günstiger Ware häufig.

Erkennen können Sie ihn nur an einem Foto von oben, bei diffusem Licht. Genau solche Bilder fehlen in Angeboten oft – woran das liegt, steht in Produktfotos bei Edelsteinen lesen.

Wirkung pro Karat

Zwei Steine gleichen Gewichts sehen unterschiedlich groß aus, weil sich das Gewicht auf verschiedene Flächen verteilt. Von oben betrachtet wirken die länglichen Formen am größten:

  • Am größten: Navette, dann Tropfen, dann Oval.
  • In der Mitte: Treppenschliff, Kissen.
  • Am kleinsten: Rund und Princess – sie tragen ihr Gewicht in der Tiefe.

Weil Gewicht bei Laborkorund kein Kostenfaktor ist, lässt sich dieser Effekt anders nutzen als beim Naturstein: Sie können einfach den größeren runden Stein nehmen. Warum die Karatangabe dabei nur verwirrt, steht in Karat ist ein Gewicht, kein Maß.

Form und Fassung gehören zusammen

  • Princess: braucht Krappen, die die Ecken greifen, oder eine geschlossene Zarge. Eine Krappe an der Kantenmitte lässt die Ecke frei – und genau dort bricht sie ab.
  • Oval und Navette: Krappen gehören an die Enden, nicht nur an die Seiten. Ein Ovalstein mit zwei seitlichen Krappen kann sich in der Fassung drehen.
  • Tropfen: eine Krappe muss die Spitze umfassen. Ohne sie ist die Spitze der erste Punkt, der bricht.
  • Cabochon: Zarge oder Klebeschale – Krappen finden an einer gewölbten Oberseite keinen Halt.

Die vollständige Zuordnung steht in Welche Fassung passt zu welchem Stein?.

Der Treppenschliff verrät den Laborstein

Ein Emerald-Cut hat wenige, große, ruhige Facetten. Er wurde erfunden, um die Reinheit eines Steins zu zeigen – und er zeigt sie unbarmherzig, in beide Richtungen.

Bei einem Naturstein sieht man dort jede Wolke. Bei einem Flammenschmelz-Korund sieht man nichts: eine völlig leere, gleichmäßig gefärbte Fläche, wie sie in der Natur bei diesem Preis nicht vorkommt. Der Treppenschliff ist damit die Form, die einen Laborstein am schnellsten als solchen ausweist – was kein Nachteil ist, solange er auch so verkauft wird. Mehr dazu in Der einzige Makel eines Labor-Rubins.

Was Sie bestellen sollten

Für einen ersten farbigen Stein ist Oval die vernünftigste Wahl:

  1. Keine Ecken und keine Spitzen – die beiden Enden sind rund, nicht angespitzt. Damit fällt die häufigste Bruchstelle weg.
  2. Große Wirkung bei moderaten Maßen.
  3. Fassungen gibt es überall – ovale Zargen und Klebeschalen sind nach Rund die zweithäufigste Bauform.
  4. Farbe kommt gut zur Geltung, weil die Facetten des Oberteils größer sind als beim Rundschliff.

Wovon Sie am Anfang die Finger lassen sollten: Navette und Tropfen. Beide sehen auf dem Foto großartig aus und beide verzeihen keinen unachtsamen Handgriff mit der Zange.

Fazit

Ecken und Spitzen brechen, runde Konturen nicht. Der Treppenschliff zeigt alles, der Cabochon nichts, das Oval ist der Kompromiss, mit dem man am wenigsten falsch macht.

Und weil das Material bei Laborkorund nichts kostet, können Sie diese Entscheidung zum ersten Mal nach dem Aussehen treffen statt nach dem Preis.

Weiterlesen: Lose Labor-Edelsteine kaufen erklärt die kalibrierten Maße, und Sternrubin und Sternsaphir beschreibt den Sonderfall, in dem nur der Cabochon funktioniert.

Eine Formfrage mit Folgen fürs Aufhängen: Oben gebohrte Tropfen brauchen keine Fassung, sondern nur eine Klemmöse.

Neben der Form entscheidet die Ausführung – woran man sie erkennt: Rundiste und Politur.

Die Schliffform, die es für Stern und Katzenauge zwingend braucht: Seide im Stein.

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