Karat ist ein Gewicht, kein Maß: Rubin gegen Diamant
Ein Karat sind exakt 0,2 Gramm. Das ist die ganze Definition – ein Gewicht, keine Größe. Trotzdem steht in fast jedem Angebot eine Karatzahl da, wo eigentlich ein Millimetermaß hingehört.
Das ist mehr als Wortklauberei. Es führt regelmäßig dazu, dass eine bestellte Fassung nicht zum bestellten Stein passt.
Warum die Tabellen im Netz nicht für Ihren Stein gelten
Jede Umrechnungstabelle „Millimeter zu Karat“, die Sie finden, ist eine Diamanttabelle. Sie unterstellt eine Dichte von 3,52 g/cm³ – die von Diamant.
Korund, also Rubin und Saphir, hat eine Dichte von rund 4,00 g/cm³. Bei identischen Maßen wiegt er deshalb rund 14 Prozent mehr. Zirkonia liegt bei 5,7 und wiegt sogar 62 Prozent mehr. Genau darauf beruht übrigens der Dichtetest, mit dem sich Zirkonia von Korund trennen lässt.
| Rund, Durchmesser | Diamant (3,52) | Rubin/Saphir (4,00) | Zirkonia (5,70) |
|---|---|---|---|
| 4 mm | 0,24 ct | 0,27 ct | 0,39 ct |
| 5 mm | 0,47 ct | 0,53 ct | 0,75 ct |
| 6 mm | 0,80 ct | 0,91 ct | 1,30 ct |
| 6,5 mm | 1,02 ct | 1,16 ct | 1,65 ct |
| 7 mm | 1,28 ct | 1,45 ct | 2,07 ct |
| 8 mm | 1,91 ct | 2,16 ct | 3,09 ct |
| 10 mm | 3,72 ct | 4,23 ct | 6,03 ct |
Runder Brillantschliff mit üblicher Tiefe von 61 Prozent des Durchmessers. Abweichende Schliffe weichen ab – siehe unten.
Der Satz, der alles umdreht
Ein Rubin von einem Karat misst nicht 6,5 mm, sondern etwa 6,2 mm. Und ein Rubin von 6,5 mm wiegt nicht ein Karat, sondern etwa 1,16. Beide Sätze sagen dasselbe, und beide widersprechen jeder Tabelle, die Sie vorher gesehen haben.
Zum Vergleich: Ein Zirkonia von einem Karat misst nur 5,5 mm. Wer „1 ct“ als Größenangabe liest, bekommt je nach Material Steine, deren Durchmesser um fast einen Millimeter auseinanderliegen – in einer 6,5-mm-Fassung ist das der Unterschied zwischen „sitzt“ und „fällt durch“.
Was Händler mit „1 ct“ wirklich meinen
Auf Marktplätzen begegnen Ihnen drei Bedeutungen derselben Angabe:
- Echtes Gewicht. Der Stein wiegt tatsächlich ein Karat. Bei Korund heißt das: 6,2 mm.
- „Karatgröße“ (ct size, ct equivalent). Gemeint ist der Durchmesser, den ein Diamant dieses Gewichts hätte – also 6,5 mm. Der Stein wiegt dann in Wahrheit 1,16 ct.
- Gar nichts. Die Zahl ist aus einer Vorlage übernommen und passt zu keinem Maß im Angebot. Kommt häufiger vor, als man denkt.
Deshalb die einzige belastbare Regel beim Bestellen: Kaufen Sie nach Millimetern. Fassungen werden in Millimetern gebaut, Steine in Millimetern kalibriert – die Karatzahl ist nur Beiwerk. Welche Maße als Standard gelten, steht in Lose Labor-Edelsteine kaufen.
Die Formel, wenn Sie nachrechnen wollen
Für einen runden Brillanten gilt als Näherung:
Gewicht in ct = Durchmesser² × Tiefe × 0,0061 × (Dichte ÷ 3,52)
Maße in Millimetern. Für Rubin und Saphir ist der letzte Faktor 1,14, für Zirkonia 1,62, für Glas etwa 0,71. Ein Messschieber, wie ihn der Beitrag zum Zoll ohnehin empfiehlt, liefert beide Maße in zehn Sekunden.
Bei Ovalen, Kissen und Tropfen ersetzen Sie das Quadrat durch Länge × Breite und rechnen einen Formzuschlag von fünf bis zehn Prozent dazu. Wirklich genau wird das nicht – dafür gibt es die Waage.
Die zweite Falle: tief geschliffene Steine
Die Tabelle oben unterstellt eine Tiefe von 61 Prozent. Günstige Steine liegen häufig darüber, manchmal bei 70 Prozent und mehr.
Der Grund ist eine Gewohnheit aus dem Diamantgeschäft: Dort bringt jedes zurückbehaltene Zehntelkarat bares Geld, also schleift man tief. Bei Laborkorund ist das vollkommen sinnlos – das Material kostet fast nichts – und die Schleifer machen es trotzdem, weil sie es so gelernt haben.
Die Folge für Sie: Der Stein wiegt mehr, als seine Ansicht von oben vermuten lässt, und wirkt im Schmuckstück kleiner als ein flacher Stein gleichen Gewichts. Er sitzt auch tiefer in der Fassung. Deshalb ist Gewicht das schlechteste Maß für die Wirkung eines Steins.
Wann das Gewicht doch zählt
Zwei Fälle bleiben:
- Der Dichtetest. Dort ist die Masse die Messgröße, nicht die Größe – und der Vergleich von errechnetem und gewogenem Gewicht ist selbst schon ein Materialtest: Weicht das Ergebnis stark ab, stimmt die Annahme über das Material nicht.
- Der Preisvergleich zwischen Verfahren. Wenn irgendwo ein Preis pro Karat steht, ist das eine echte Gewichtsangabe – und dann muss man wissen, dass dasselbe Karat bei Korund weniger Stein ist als bei Diamant.
Fazit
Karat ist Gewicht. Fassungen sind Millimeter. Zwischen beiden steht die Dichte, und die ist bei Rubin und Saphir 14 Prozent höher als bei Diamant – woraus die eine Zahl folgt, die man sich merken sollte: Faktor 1,14.
Wer nach Millimetern bestellt, braucht die Rechnung nie. Wer nach Karat bestellt, braucht sie immer.
Weiterlesen: Produktfotos bei Edelsteinen lesen zeigt, wie Größe im Bild manipuliert wird, und Welche Fassung passt zu welchem Stein? verbindet Maß und Fassung.
Was dieses Rechenverhältnis bei großen Steinen anrichtet, zeigt Ab zehn Millimetern.
Dieser Irrtum ist Nummer 1 auf einer längeren Liste: Die zehn häufigsten Fehler.
Die Umrechnung für jede gängige Größe, nachgerechnet und gegen einen Katalog geprüft: die Tabelle für Korund.
Dasselbe Rechenbeispiel bei einem rosa Stein: Morganit: warum ein Karat hier viel größer aussieht.
Der Zufall, dass ein Stein genau die Dichte von Diamant hat: Farbloser Topas.
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