Die Klemmöse: Anhänger in zwei Minuten – und das Risiko

Von allen Wegen, aus einem Stein einen Anhänger zu machen, ist dieser der schnellste: Klemmöse aufsetzen, mit der Flachzange zudrücken, an die Kette hängen. Zwei Minuten, kein Kleber, kein Draht.

Er ist auch der Weg, bei dem die meisten Steine beschädigt werden – und zwar aus einem Grund, den man kennen muss, bevor man die Zange ansetzt.

Was eine Klemmöse ist

Ein gefaltetes Metallstück in Form eines U, mit zwei nach innen zeigenden Spitzen und einer Öffnung oben für die Kette. Man schiebt sie über etwas und drückt sie zusammen; die beiden Spitzen greifen dabei ins Material.

Im Handel heißt sie Klemmöse, Prise Bail oder Pinch Bail – dieselbe Sache, drei Namen.

Die Warnung zuerst

Eine Klemmöse gehört niemals direkt auf die Rundiste eines facettierten Steins. Die Rundiste ist die dünnste Stelle des Steins, und die beiden Spitzen der Öse konzentrieren die gesamte Zangenkraft auf zwei Punkte. Korund hat zwar keine Spaltbarkeit – aber ein Splitter an der Rundiste bricht trotzdem heraus, und man sieht ihn für immer.

Das ist dieselbe Regel wie beim Wire-Wrapping, nur schärfer: Beim Wickeln verteilt sich der Zug über einen Draht, hier steht alles auf zwei Spitzen.

Wofür sie richtig ist

  • Gebohrte Steine. Der Normalfall. Die Spitzen greifen in die Bohrung, nicht ins Material – genau dafür ist das Teil gebaut.
  • Briolettes und oben gebohrte Tropfen. Die klassische Verwendung, und die einzige, bei der ein facettierter Stein unbedenklich ist – weil die Öse in das Loch greift.
  • Flache Anhängerplatten mit Loch, etwa aus Metall, Perlmutt oder Achatscheiben.
  • Als Verbinder zwischen zwei Kettenteilen, wo gar kein Stein im Spiel ist.

Und wofür nicht: für Cabochons. Eine gewölbte Oberseite bietet den Spitzen keinen Halt; dafür ist die Klebeschale zuständig.

Die richtige Größe

Zwei Maße entscheiden, und beide werden beim Bestellen übersehen:

  1. Die lichte Weite – der Abstand zwischen den Spitzen im offenen Zustand. Sie muss größer sein als die Dicke Ihres Steins an der Bohrung, sonst passt die Öse gar nicht darüber.
  2. Die Größe der oberen Öffnung – dort muss die Kette hindurchpassen. Eine 1,5-mm-Venezianer braucht mehr Platz als ein dünner Draht; welche Kette wozu passt, steht in Die Kette zum Anhänger.

Ein gemischtes Sortiment löst beides auf einmal – man probiert, statt zu rechnen.

So wird sie geschlossen

  1. Trockenprobe ohne Druck. Öse aufsetzen, Sitz prüfen, Position der Spitzen zur Bohrung kontrollieren.
  2. Flachzange mit glatten Backen nehmen. Geriffelte Backen hinterlassen Kerben, die man nachher sieht.
  3. Ein Stück Klebeband oder Leder zwischen Zange und Öse legen. Das kostet zwei Sekunden und rettet die Oberfläche.
  4. Gleichmäßig zudrücken, mittig ansetzen, in kleinen Schritten. Nicht an einer Seite anfangen – dann steht die Öse schief, und der Anhänger hängt schief.
  5. Aufhören, sobald der Stein nicht mehr wackelt. Jeder weitere Millimeter Zangendruck geht in den Stein, nicht in die Halterung.
  6. Kopfüber schütteln – die einzige Probe, die zählt. Was jetzt hält, hält auch am Hals.

Worauf Sie beim Material achten

Klemmösen werden in sehr wechselnder Qualität verkauft, und die Materialangabe ist oft ungenau übersetzt:

  • Edelstahl ist die richtige Wahl: fest genug, dass die Öse nicht zurückfedert, und sie rostet nicht.
  • Beschichtetes Eisen kommt vor, obwohl im Titel etwas anderes steht. Es rostet an der Klemmstelle, wo die Beschichtung beim Zudrücken bricht.
  • Weiche Legierungen federn nach dem Schließen leicht auf. Bei einem schweren Anhänger ist das die Stelle, an der er irgendwann abgeht.

Ein einfacher Test nach dem Auspacken: ein Exemplar mit der Zange ganz zudrücken und wieder öffnen. Bricht es dabei, ist die Legierung zu spröde; lässt es sich mühelos hin- und herbiegen, ist sie zu weich.

Was sie nicht kann

Ehrlich eingeordnet ist die Klemmöse die am wenigsten sichere der Befestigungen, die wir hier beschreiben. Eine Zarge hält mechanisch, eine Klebung hält flächig, eine Drahtwicklung hält umlaufend – die Klemmöse hält an zwei Punkten.

Für einen leichten gebohrten Stein ist das völlig ausreichend. Für ein Stück, an dem Ihnen etwas liegt, ist es die falsche Wahl.

Fazit

Nur auf gebohrte Steine, nie auf die Rundiste. Glatte Zangenbacken, Klebeband dazwischen, gleichmäßig und nicht zu fest.

Dann ist die Klemmöse genau das, wofür sie gedacht ist: die schnellste Art, aus einem Stein etwas Tragbares zu machen – und die billigste Gelegenheit, das Aufhängen überhaupt einmal auszuprobieren.

Weiterlesen: Welche Fassung passt zu welchem Stein? ordnet alle Methoden nach Steinform, und Ihr erstes Schmuckstück zeigt die haltbarste Variante.

Welche Formen überhaupt gebohrt angeboten werden und welche nicht, ordnet Rund, Oval, Kissen, Baguette ein.

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