Ohrclips: Ohrschmuck ohne Ohrloch
Alle bisherigen Ohrschmuck-Beiträge auf dieser Seite setzen ein Ohrloch voraus. Das ist eine Annahme, die für einen erheblichen Teil der Leser nicht stimmt – und für die es eine ordentliche Lösung gibt, die keine Notlösung ist.
Der Ohrclip hat sogar einen technischen Vorteil: Weil das Gewicht nicht an einem Loch hängt, trägt er einen größeren Stein als jeder Stecker.
Wofür Clips die richtige Wahl sind
- Kein Ohrloch – aus Entscheidung, aus beruflichen Gründen oder weil ein altes Loch zugewachsen ist.
- Empfindliche Ohrläppchen. Der Clip liegt auf der Haut, statt in ihr zu stecken – die Materialfrage entschärft sich damit deutlich.
- Große Steine. Ein 14-mm-Cabochon zieht am Stecker spürbar am Loch. Am Clip verteilt sich das Gewicht auf die Fläche.
- Zum Ausprobieren. Ein Stück, das sich in Sekunden abnehmen lässt, wird eher getragen als eines, das man erst einfädeln muss.
Die Bauarten
| Bauart | Druck | Bemerkung |
|---|---|---|
| Klappclip Hebel zum Umlegen |
fest, nur durch Biegen zu ändern | der Standard; einhändig zu öffnen, günstig, in jeder Größe erhältlich |
| Schraubclip | stufenlos einstellbar | die bequemste Bauart überhaupt – dafür umständlicher anzulegen |
| Federclip | fest, oft zu stark | hält gut, drückt nach zwei Stunden |
| Ohrbügel (Ear Cuff) | gering | kein Clip im eigentlichen Sinn; sitzt an der Ohrkante, trägt kaum Gewicht |
Bequemlichkeit ist das ganze Problem
Ein Clip hält durch Druck. Zu wenig Druck, und er fällt herunter; zu viel, und er tut nach einer Stunde weh. Der schlechte Ruf von Ohrclips stammt fast vollständig aus diesem einen Punkt – nicht aus dem Aussehen und nicht aus der Haltbarkeit.
Drei Maßnahmen lösen ihn weitgehend:
- Silikonpolster. Kleine durchsichtige Kissen, die auf den Druckteller kommen. Sie kosten Cent-Beträge und verändern das Tragegefühl mehr als alles andere.
- Den Bügel nachjustieren. Bei einem Klappclip lässt sich der Gegenbügel vorsichtig aufbiegen – wenige Zehntelmillimeter genügen. Machen Sie das vor dem Kleben, solange kein Stein im Weg ist.
- Das Gewicht begrenzen. Bis etwa 14 mm Cabochon bleibt es angenehm. Und ein flacher Cabochon ist besser als ein hoch gewölbter: Er steht weniger weit ab und erzeugt weniger Hebelkraft.
Das Material
Hier gilt eine mildere Regel als bei Steckern. Der Clip liegt auf der Haut, statt in einem Stichkanal zu sitzen – damit greifen die allgemeinen Grenzwerte für längeren Hautkontakt statt der strengeren Regel für durchstochene Körperteile, die in Brisur oder Fischhaken beschrieben ist.
Trotzdem: Edelstahl kostet kaum mehr, läuft nicht an und stellt die Frage gar nicht. Versilberte Legierungen reiben genau am Druckteller durch – also dort, wo sie ständig auf der Haut liegen.
Der Zusammenbau
- Erst den Druck einstellen, dann kleben. Umgekehrt riskieren Sie, beim Biegen den Stein zu lösen.
- Trockenprobe: Der Cabochon soll den Teller abdecken. Sichtbarer Metallrand sieht bei einem Clip besonders unruhig aus, weil man ihn von der Seite sieht.
- Beide Flächen mit Isopropanol entfetten.
- Zwei-Komponenten-Epoxid, kleiner Tropfen mittig, aufsetzen, leicht drehend andrücken.
- 24 Stunden aushärten, Clip geöffnet ablegen, Stein nach oben.
Und wie bei allen geklebten Stücken: nie ins Ultraschallbad – die Regeln stehen in Labor-Rubin und -Saphir reinigen.
Die Zwei-Stunden-Probe
Tragen Sie das fertige Paar erst einmal zu Hause, zwei Stunden lang. Das ist die einzige Prüfung, die zählt, und sie erspart die typische Enttäuschung, bei der ein schönes Stück nach dem ersten Abend nie wieder angelegt wird.
Drückt es, nehmen Sie den Bügel um eine Kleinigkeit auf. Rutscht es, biegen Sie ihn zu. Beides ist reversibel, solange Sie es am Bügel machen und nicht am Teller.
Was Clips nicht können
- Sie sind von der Seite sichtbar. Der Mechanismus sitzt hinter dem Ohrläppchen und lässt sich nicht verstecken.
- Sie gehen verloren. Häufiger als Stecker, weil sie sich beim Telefonieren oder Haarezusammenbinden lösen. Ein Paar Ersatzclips bei einem Zehnerpack ist deshalb keine Verschwendung.
- Sie passen nicht an jedes Ohr. Sehr dünne oder sehr fleischige Läppchen brauchen andere Druckeinstellungen – das merkt man erst beim Tragen.
Fazit
Klappclip aus Edelstahl, Silikonpolster drauf, Druck vor dem Kleben einstellen, Cabochon bis 14 mm, zwei Stunden Probe tragen.
Damit wird aus der vermeintlichen Notlösung das Ohrschmuckprojekt mit dem größten Stein – und dem geringsten Materialrisiko.
Weiterlesen: Ohrstecker mit Laborsteinen beschreibt die Variante mit Ohrloch, und Zwei Steine, die zusammenpassen die Auswahl des Paares.
Wenn es noch größer werden soll, ohne unbequem zu werden: Die Haarspange.
Und welches Metall dabei an der Haut liegen sollte: Nickelallergie: welche Metalle sicher sind.
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