Nickelallergie: welche Metalle wirklich sicher sind
Der Stein ist nie das Problem. Korund ist chemisch inert, gibt nichts ab und löst keine Kontaktallergie aus – egal ob aus dem Berg oder aus dem Ofen. Was juckt, ist immer das Metall drumherum.
Und weil beim Selbermachen die Fassung frei gewählt wird, ist das eine Entscheidung, die Sie selbst treffen – anders als beim Fertigschmuck aus der Vitrine.
Was das Gesetz vorschreibt
In der EU ist Nickel nicht verboten, sondern begrenzt. Maßgeblich ist Eintrag 27 in Anhang XVII der REACH-Verordnung. Er verbietet Erzeugnisse, die länger und unmittelbar mit der Haut in Berührung kommen, wenn ihre Nickelfreisetzung die Grenzwerte überschreitet:
- 0,5 µg/cm² pro Woche für Schmuck mit längerem Hautkontakt – Ringe, Ketten, Armbänder, Uhrengehäuse, aber auch Knöpfe und Nieten an Kleidung.
- 0,2 µg/cm² pro Woche für Teile, die durch die Haut gestochen werden – also Ohrstecker und Piercings, in der Einheilphase und danach.
Wichtig an dieser Formulierung: Der Grenzwert betrifft die Freisetzung, nicht den Gehalt. Ein Metall darf Nickel enthalten, solange es praktisch keines abgibt. Deshalb ist „nickelfrei“ auf einem Produkt fast nie wörtlich gemeint – gemeint ist „hält den Grenzwert ein“.
Die Metalle, sortiert nach Risiko
Unproblematisch
- 925er Sterlingsilber. 92,5 % Silber, der Rest fast immer Kupfer. Enthält nickelhaltige Legierungen nur in Ausnahmefällen. Für die meisten Projekte die naheliegende Wahl – auch optisch, siehe Silber, Edelstahl, Messing.
- Titan und Niob. Der Goldstandard für empfindliche Ohren. Teurer und schwerer zu bearbeiten, aber bei frisch gestochenen Löchern die sichere Bank.
- Gelbgold ab 585. Der Legierungsanteil ist überwiegend Kupfer und Silber.
Kommt darauf an
- Edelstahl 316L („chirurgischer Stahl“). Enthält tatsächlich 10–14 % Nickel – aber gebunden im Kristallgitter, und die Freisetzung liegt normalerweise deutlich unter dem Grenzwert. Für die allermeisten Menschen völlig unbedenklich. Bei stark ausgeprägter Nickelallergie kann es trotzdem reagieren, und die Bezeichnung „chirurgischer Stahl“ ist kein geschützter Begriff.
- Weißgold. Klassisch wird Gold mit Nickel weiß gemacht. Moderne Legierungen nehmen dafür Palladium – nachfragen lohnt.
Vorsicht
- Messing und „Modeschmuck-Metall“. Die Zusammensetzung wechselt von Charge zu Charge, und die Beschichtung ist es, die hält oder nicht hält. Sobald sie durchgerieben ist, liegt das Grundmetall an der Haut. Bei billigen Rohlingen ist genau das der typische Verlauf.
- Alles Vergoldete und Versilberte ohne Angabe des Grundmetalls. Die Schicht ist oft nur wenige Mikrometer dick.
Der praktische Teil
Wenn Sie für sich selbst bauen und wissen, dass Sie reagieren: Silber für alles, Titan für Ohrstecker. Damit ist die Frage erledigt.
Wenn Sie für jemand anderen bauen und es nicht wissen, gilt dieselbe Regel – nur aus einem anderen Grund: Sie können nicht nachfragen, ohne die Überraschung zu verderben. Ein Anhänger an einem Lederband umgeht das Problem ganz, weil kaum Metall an der Haut liegt: Lederband statt Silberkette.
Und wenn Sie ein Stück weitergeben: Sagen Sie dazu, aus welchem Metall die Fassung ist. Das ist dieselbe Ehrlichkeit, die auch für den Stein gilt – Verschenken und verkaufen.
Was Sie beim Anbieter fragen können
Bei Fassungen und Rohlingen von Marktplätzen sind zwei Fragen sinnvoll: Welche Legierung genau? und Ist das massiv oder beschichtet, und wenn beschichtet: worauf? Eine präzise Antwort ist ein gutes Zeichen; „hypoallergen“ ohne weitere Angabe ist keine – das Wort ist nicht definiert. Die übrigen Fragen stehen in Zehn Fragen an den Verkäufer.
Zur Einordnung: Dieser Beitrag fasst die Rechtslage und die gängige Materialkunde zusammen – er ist keine medizinische Beratung. Wer auf Schmuck reagiert, klärt das beim Hautarzt; ein Epikutantest sagt Ihnen, worauf genau.
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