Fünf Fassfehler und wie man sie rettet
Die Anleitungen hören immer da auf, wo es gut gegangen ist. Was aber, wenn der Stein schief sitzt, die Zarge eine Delle hat oder eine Kralle abgebrochen ist?
Fünf Situationen, die beim Fassen wirklich passieren – jeweils mit der Frage, die zuerst zu klären ist: retten oder neu anfangen?
1. Der Stein sitzt schief
Er kippt zur Seite, die Rundiste steht auf einer Seite höher als auf der anderen.
Ursache ist fast nie der Stein, sondern der Sitz: Der Zargenboden ist nicht eben, oder der Absatz, auf dem der Stein aufliegt, wurde auf einer Seite tiefer ausgearbeitet.
Rettung: Zarge wieder aufbiegen, Stein herausnehmen, Sitz prüfen – am besten, indem Sie den Stein ohne Druck einlegen und von der Seite schauen. Erst wenn er waagerecht liegt, wieder schließen. Das Aufbiegen überlebt eine Zarge zwei- bis dreimal, danach wird das Metall spröde.
Wenn der Stein selbst schuld ist – wellige Rundiste –, hilft kein Nacharbeiten. Woran man das vorher erkennt: Rundiste und Politur.
2. Die Zarge hat eine Delle
Ein Ausrutscher mit dem Drücker, und im weichen Silber steht ein glänzender Abdruck.
Rettung: Bei einer flachen Delle genügt Polieren – erst mit einem Glasfaserpinsel, dann mit dem Poliertuch. Tiefere Dellen lassen sich von innen vorsichtig ausbeulen, solange der Stein draußen ist.
Vorbeugen ist hier deutlich billiger als Reparieren: Der Drücker gehört flach an die Zarge, nicht mit der Kante. Siehe Der Fassungsdrücker und Der Glasfaserpinsel.
3. Eine Kralle ist abgebrochen
Der unangenehmste Fall, weil es der einzige ist, der ohne Löten nicht zu beheben ist.
Ehrliche Antwort: Eine abgebrochene Kralle bedeutet neue Fassung, sofern Sie nicht löten können und wollen. Eine Fassung kostet ein paar Euro; ein Reparaturversuch mit Kleber hält nicht und ruiniert das Stück optisch.
Ursache ist meist mehrfaches Hin- und Herbiegen derselben Kralle. Krallen vertragen eine Bewegung gut, drei nicht. Wer unsicher ist, nimmt beim nächsten Mal eine Zarge: Welche Fassung passt zu welchem Stein?
4. Der Stein ist an der Rundiste abgesplittert
Ein winziger heller Ausbruch am Rand, meist genau dort, wo der Drücker saß.
Rettung: Keine – Korund wächst nicht nach. Aber: Prüfen Sie, ob man es überhaupt sieht. Sitzt der Absplitterer unter dem Zargenrand, ist er unsichtbar und völlig belanglos. Drehen Sie den Stein so, dass die Stelle verdeckt ist, und fassen Sie weiter.
Genau dafür ist die Reserve da, die auf jeder Bestellliste stehen sollte – und genau deshalb ist Laborkorund das richtige Übungsmaterial: Der Ersatz kostet vier Euro.
5. Der Stein wackelt in der geschlossenen Fassung
Die Zarge ist zu, aber der Stein hat noch Spiel – man hört ein leises Klicken.
Ursache: Der Stein ist für die Fassung zu klein. Meistens, weil nach Karat statt nach Millimetern bestellt wurde, oder weil die Tiefe nicht passt.
Rettung: Bei geringem Spiel lässt sich der Zargenrand rundum noch etwas weiter nachziehen. Bei mehr als einem halben Millimeter Differenz hilft nur ein passender Stein – ein untergelegtes Stück Papier oder ein Tropfen Kleber sind keine Lösung, sondern eine spätere Reklamation.
Vorbeugen: Karat ist ein Gewicht, kein Maß und die Umrechnung in Millimeter in Karat umrechnen.
Die Regel, wann man aufhört
Nach dem dritten Versuch an derselben Fassung sollte man neu anfangen. Metall, das dreimal gebogen wurde, reißt beim vierten Mal – und dann ist der Stein oft mit drin.
Das klingt nach Aufgeben, ist aber die billigere Rechnung: eine neue Fassung kostet zwei bis drei Euro, ein gesprungener Stein plus verbogene Fassung deutlich mehr Nerven.
Und der Trost
Alle fünf Fehler passieren jedem, der anfängt. Der Unterschied zwischen dem ersten und dem fünften Stück ist nicht Talent, sondern die Anzahl der ruinierten Zargen dazwischen.
Bei diesem Material darf das so sein. Genau das ist der Punkt: Zehn Schmuckprojekte für unter zwanzig Euro – jedes davon verzeiht einen Fehlversuch.
Weiterlesen: Ihr erstes Schmuckstück zeigt den Ablauf, bei dem diese Fehler gar nicht erst entstehen.
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