Wire-Wrapping: Der Anhänger ohne Kleber und ohne Lötkolben
Alle bisherigen Bauanleitungen auf dieser Seite haben eine gemeinsame Schwachstelle: Sie kleben. Der Anhänger klebt im Klebepad, der Ring klebt in der Schale – und damit darf keines der Stücke je ins Ultraschallbad.
Es geht auch anders, und zwar ohne Lötkolben, ohne Zarge und ohne einen Tropfen Kleber: Wire-Wrapping. Der Stein wird von Draht gehalten, sonst nichts.
Warum das mehr ist als eine Notlösung
- Kein Klebstoff. Damit entfällt die einzige echte Pflegeeinschränkung selbstgemachter Stücke. Ein drahtgefasster Korund darf in warmes Seifenwasser, so lange wie er will.
- Keine Hitze in der Nähe des Steins. Was beim Löten schiefgehen kann, steht in Labor-Korund und Hitze. Beim Wickeln stellt sich die Frage gar nicht.
- Umkehrbar. Sitzt es schief, wickeln Sie es auf und fangen neu an. Der Stein nimmt keinen Schaden.
- Es passt auf jeden Stein. Auch auf einen, für den es keine Fassung in der passenden Größe gibt – und das ist bei den krummen Maßen vom Marktplatz häufiger der Fall, als einem lieb ist.
Welchen Draht Sie brauchen
Zwei Zahlen entscheiden alles: das Material und die Stärke.
| Stärke | AWG | Wozu |
|---|---|---|
| 0,8 mm | 20 | Rahmen und Krallen – das Gerüst, das den Stein hält |
| 1,0 mm | 18 | große Cabochons ab etwa 20 mm; darunter zu grob |
| 0,3 mm | 28 | Wicklungen, die die Rahmendrähte zusammenhalten |
| 0,2 mm | 32 | feine Zierwicklungen; reißt schnell, wenn man zieht |
Sie brauchen zwei Rollen, nicht eine. Das ist der Fehler, den fast jeder beim ersten Bestellen macht: eine einzige mittlere Stärke, mit der dann weder der Rahmen hält noch die Wicklung sauber wird.
Beim Material gilt eine schlichte Rangfolge:
- Versilberter oder vergoldeter Kupferdraht – sehr günstig, weich, gut zu biegen. An scharfen Kanten reibt die Schicht mit der Zeit durch. Das ideale Übungsmaterial.
- 925er Silberdraht – deutlich teurer, aber durch und durch dasselbe Metall. Für ein Stück, das Jahre halten soll, die richtige Wahl. Er läuft an, lässt sich aber polieren.
- Edelstahl- oder Memory-Draht – ungeeignet. Er federt zurück, statt die Form zu halten.
Und ein Wort zu dead soft gegen half hard: Weicher Draht lässt sich leichter formen, harter hält besser. Für die ersten Stücke ist weich richtig – er verzeiht das Nachjustieren. Draht wird beim Biegen ohnehin von selbst härter.
Werkzeug
Drei Zangen reichen: Rundzange für Ösen und Bögen, Flachzange zum Halten und Andrücken, Seitenschneider zum Ablängen. Dazu eine kleine Nadelfeile, um jedes Schnittende zu entgraten.
Wichtig: Die Backen der Flachzange sollten glatt sein, nicht gerändelt. Geriffelte Backen hinterlassen Abdrücke im weichen Draht, die man nachher sieht.
Der entscheidende Unterschied: Cabochon oder facettierter Stein
Ein Cabochon ist der einfache Fall. Er hat eine flache Unterseite und eine gewölbte Oberseite mit einer klaren Kante dazwischen. Der Rahmen legt sich um diese Kante, vier bis sechs Krallen werden nach vorn umgelegt – fertig.
Ein facettierter Stein ist heikler. Seine Rundiste ist eine dünne, scharfe Kante, und dort sitzt der Draht:
Der Rahmendraht gehört unter die Rundiste, also auf die Seite des Unterteils – nie auf die Kante selbst. Korund hat zwar keine Spaltbarkeit, aber die Rundiste ist die dünnste Stelle des Steins. Punktueller Druck mit einer Zange bricht dort kleine Splitter heraus, und die sieht man für immer.
Schritt für Schritt: der Cabochon-Anhänger
- Vier Stück 0,8-mm-Draht ablängen, jeweils etwa dreimal so lang wie der Steinumfang. Lieber zu lang – abschneiden geht immer.
- Die vier Drähte parallel legen und in der Mitte auf etwa zwei Zentimetern mit 0,3-mm-Draht eng umwickeln. Das wird die Unterseite des Anhängers.
- Das Bündel um den Stein legen und oben wieder zusammenführen. Der Rahmen soll den Stein leicht umschließen, ohne ihn schon zu klemmen.
- Oben eine zweite Wicklung setzen. Jetzt sitzt der Stein in einem geschlossenen Ring.
- Je zwei Drähte nach vorn, zwei nach hinten biegen – das sind die Krallen. Mit der Flachzange flach an die Steinoberfläche drücken, gleichmäßig verteilt.
- Aus den restlichen oberen Drähten die Öse formen, mit der Rundzange. Überstand abschneiden, Enden nach innen legen, Schnittkanten feilen.
- Mit dem Finger über die Rückseite fahren. Was Sie spüren, spürt der Hals auch.
Die typischen Fehler
- Zu dünner Rahmendraht. Unter 0,8 mm federt die Fassung auf, und der Stein fällt irgendwann heraus – meist unbemerkt.
- Zu fest gezogen. Der Draht soll halten, nicht klemmen. Am facettierten Stein ist zu viel Zug der Weg zum abgeplatzten Rundistensplitter.
- Zu oft nachgebogen. Draht verfestigt sich beim Biegen und bricht dann ohne Vorwarnung. Wer dreimal am selben Punkt korrigiert, sollte das Stück neu anfangen.
- Scharfe Enden. Der häufigste Grund, warum ein selbstgemachter Anhänger nie getragen wird: Er kratzt am Hals.
- Zu kleiner Stein. Unter 8 mm dominiert der Draht das Bild. Wire-Wrapping wirkt ab etwa 10 mm.
Was Sie damit nicht bekommen
Eine gewickelte Fassung ist von vorn sichtbar. Sie wird nie so ruhig aussehen wie eine saubere Zarge, und wer den technischen Look nicht mag, wird ihn auch nach dem zehnten Versuch nicht mögen. Wie eine echte Zarge entsteht, steht in Ihr erstes Schmuckstück.
Und versilberter Draht bleibt versilberter Draht. Er sieht ein Jahr gut aus, dann kommt an den Biegungen Kupfer durch. Das ist kein Mangel, sondern der Preis – auf ein Werkstück gerechnet liegt der Materialeinsatz im Cent-Bereich.
Fazit
Wire-Wrapping ist die einzige Fassmethode, die ohne Kleber, ohne Hitze und ohne Spezialwerkzeug auskommt – und die einzige, die sich vollständig rückgängig machen lässt. Genau deshalb ist sie das ehrlichste zweite Projekt nach dem geklebten Anhänger.
Zwei Rollen Draht, drei Zangen, ein Cabochon: Damit ist ein Abend gut gefüllt, und am Ende hängt etwas am Hals, das gereinigt werden darf.
Weiterlesen: Welche Fassung passt zu welchem Stein? ordnet die Methoden nach Steinform, und Die Kette zum Anhänger klärt, woran der fertige Anhänger hängt.
Noch schneller, aber weniger sicher: Die Klemmöse.
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