Was ein Juwelier für dasselbe Stück verlangt
Ein Anhänger mit gefasstem Laborstein kostet an Material rund fünfundzwanzig Euro. Beim Goldschmied kostet dasselbe Stück ein Vielfaches – und das ist kein Wucher, sondern eine ehrliche Rechnung, die man kennen sollte, bevor man sich für oder gegen das Selbermachen entscheidet.
Dieser Beitrag zerlegt beide Rechnungen und sagt, wann welche die richtige ist.
Woraus sich ein Werkstattpreis zusammensetzt
Ein Handwerksbetrieb rechnet nicht „Material mal drei“. Er rechnet Zeit, und dazu kommen die Kosten, die entstehen, ob gearbeitet wird oder nicht:
- Arbeitszeit – Entwurf, Anfertigen der Fassung, Fassen, Finish. Bei einem einfachen Anhänger sind ein bis zwei Stunden realistisch, bei einem Ring mit Seitensteinen mehr.
- Werkstattkosten – Miete, Versicherung, Walzwerk, Poliermotor, Abzug, Lötplatz, Ultraschall. Diese Ausstattung kostet mehr als ein Auto und muss von jeder Rechnung mitgetragen werden.
- Ausbildung und Gewährleistung – jemand haftet dafür, dass die Fassung hält. Das ist ein Teil des Preises, den man erst zu schätzen weiß, wenn eine selbst gemachte Fassung aufgeht.
- Material – bei einem Laborstein die mit Abstand kleinste Position.
Der entscheidende Punkt: Bei Laborkorund verschwindet der Materialanteil praktisch. Was Sie bezahlen, ist fast ausschließlich Arbeit. Bei einem Naturstein wäre es umgekehrt – da trägt der Stein die Rechnung, und die Arbeit fällt daneben kaum auf.
Was Sie beim Selbermachen wirklich sparen
Sie sparen die Arbeitszeit – indem Sie sie selbst aufbringen. Das ist die ganze Wahrheit, und sie hat zwei Seiten.
Für das erste Stück brauchen Sie ein Vielfaches der Zeit, die ein Profi braucht, plus die Anschaffung von Werkzeug (rund 30 bis 50 Euro für die Grundausstattung), plus die Stücke, die misslingen. Rein rechnerisch lohnt sich das erste Stück nie.
Ab dem dritten oder vierten sieht es anders aus: Das Werkzeug ist bezahlt, der Handgriff sitzt, und jedes weitere Stück kostet nur noch Material.
Wann der Juwelier die richtige Wahl ist
- Wenn es halten muss, ohne dass Sie es prüfen können. Ein Ring, der täglich getragen wird, verzeiht keine wacklige Fassung.
- Wenn Gold im Spiel ist. Gold zu löten und zu polieren ist etwas anderes als Silber, und Fehler kosten hier tatsächlich Geld.
- Wenn ein vorhandenes Stück geändert wird. Einen Stein in eine bestehende Fassung setzen oder eine Ringweite ändern – das ist Reparaturarbeit, und daran sollte man nicht üben.
- Wenn es ein Anlassstück ist. Ein Verlobungsring, bei dem der Termin feststeht, ist der falsche Ort für einen ersten Versuch – siehe Verlobungsring mit Labor-Rubin oder -Saphir.
Und ein Hinweis, der Zeit spart: Fragen Sie vorher, ob die Werkstatt einen mitgebrachten Laborstein überhaupt fasst. Manche tun es selbstverständlich, manche lehnen fremdes Material grundsätzlich ab – meist aus Haftungsgründen, denn wer einen Stein fasst, haftet dafür, wenn er dabei bricht.
Wann Selbermachen die richtige Wahl ist
- Wenn Sie etwas wollen, das es nicht gibt. Eine bestimmte Farbe in einer bestimmten Größe – genau das, was Erst der Entwurf, dann der Stein beschreibt.
- Wenn Sie mehrere gleiche Stücke brauchen. Die Arbeitszeit eines Profis multipliziert sich; Ihre eigene wird mit jedem Stück kürzer.
- Wenn das Machen der Punkt ist. Dann ist die Frage nach der Ersparnis ohnehin die falsche.
- Bei Teilen, die kaum belastet werden. Broschen, Anhänger, Haarschmuck, Manschettenknöpfe – da ist der Einsatz gering und der Lerneffekt hoch.
Der Mittelweg, den viele übersehen
Sie müssen sich nicht entscheiden. Eine verbreitete Aufteilung: Sie kaufen den Stein selbst – in genau der Farbe und Größe, die Sie wollen, zum Laborpreis – und lassen nur das Fassen machen. Dann zahlen Sie Arbeitszeit für den Teil, der wirklich Können verlangt, und sparen sich den Aufschlag auf einen Stein, den die Werkstatt ihrerseits einkaufen müsste.
Das funktioniert besonders gut, weil kalibrierte Maße Standard sind: Eine Werkstatt kann eine Fassung für einen 8 × 6-mm-Cabochon aus dem Katalog bestellen. Siehe Lose Labor-Edelsteine kaufen.
Fazit
Ein Werkstattpreis ist zu neunzig Prozent Arbeit und Verantwortung. Wer selbst macht, kauft sich diese neunzig Prozent nicht weg – er übernimmt sie.
Das lohnt sich, wenn Sie es mehrfach tun oder wenn Ihnen das Machen selbst etwas wert ist. Es lohnt sich nicht bei einem einzelnen Stück, das perfekt sein muss.
Weiterlesen: Ihr erstes Schmuckstück zeigt, wie realistisch der Einstieg ist, und Was derselbe Stein aus der Erde kostet erklärt, warum der Materialanteil hier so klein ausfällt.
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